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Freitag, 27. März 2015

SH Tag 3: verschlossene Pilgerstättet

Heute hatte ich mir fest vorgenommen schlauer zu sein als gestern und einfach Metros und Taxis zu benutzen um mich nicht mehr ganz so sehr zu verlaufen wie gestern.
Sagen wir es so, es hat teilweiße funktioniert? Vielleicht? Ein bisschen?
Wenigstens habe ich heute rausgefunden, warum ich mich andauernt verlaufe!
Normalerweise hab ich nämlich nen ziemlich guten Orientierungssinn...
Das Problem ist meine Karte!
Ja, ja, Ausrede, ich weiß... Aber wirklich! Ich habe nämlich rausgefunden, dass fast jede Straße alle paar Querstraßen ihren Namen ändert. Problem: Meine Karte zeigt nur einen Namen an. Ich laufe also, auf der Suche nach einer bestimmten Straße, und sie kommt und kommt nicht. Die Folge: ich laufe in irgendeine andere Richtung weil ich denke ich bin falsch und merke erst ewigkeiten später, dass ich vor langer Zeit an meiner Straße vorbei gekommen bin.

Um dieses Problem nun zu umgehen, ging es heute zu allererst zum Jing'an Tempel, mit dem Taxi. Jing'an ist der Tempel der Ruhe und des Friedens.
Pah! Eher der Tempel des Kommerzes! Mein 5 Jahre alter Reiseführer, hat den Eintritt für diesen Tempel noch mit 5 Yuan (70cent) angegeben, heute lag er bei 50(!!!) Yuan. Ich habe mich in Budapest geweigert so viel Geld für eine Synnagoge aus zu geben, ich weigere mich hier, es in einen Tempel zu stecken.
50Yuan sind viel Geld!
Um den Tempel herum und auch unterhalb(!) des Tempels, ist eine große Shoppingstraße. Von Ruhe und Frieden, also wirklich nicht mehr so viel zu sehen.


Vom Jing'an Tempel ging es tiefer in die französische Konzession zu einer Kirche die mir empfohlen wurde. Blöd nur, dass sie zwischenzeitlich zu war und erst zum Gottesdienst um 18Uhr wieder geöffnet hätte. Außer, dass ich mich auf dem Weg dorthin mal wieder verlaufen habe, ist dazu so wirklich nicht viel mehr zu sagen. Wie in Deutschland, habe ich immer nach den hohen Kirchtürmen ausschau gehalten, aber im vergleich zu den restlichen Wolkenkratzern, fallen diese natürlich nicht wirklich auf...



Die Kirche war direkt neben der Diözese von Shanghai. Und ob es nun zusammen gehört oder nicht, aber davor standen eine Reihe wirklich hübscher wirklich teurer Autos im Parkverbot. Es hat eine ganz eigene Art von Genugtuung zu sehen wie ein Maserati einen Strafzettel bekommt. ;)


Nach den Buddhisten und den Christen ging es nun weiter zum Konfizius Tempel. Ratet mal was ich auf dem Weg schon wieder getan habe... richtig, mich verlaufen...
Aber wenigstens habe ich hier endlich den fehler in meiner Karte gefunden und festgestellt, dass einige Straßen auch einfach ganz fehlen. Laut meiner Karte hätte der Tempel also in der großen Parallelstraße sein müssen.
Bis ich nun also schlussendlich vorort war, geschah mir das Selbe wie in Hongkong, sie schlugen mir die Türen vor der Nase zu.


Wie sagt Konfuzius doch immer so schön? Ach fragt mich nicht, ich kann keins seiner Zitate.
Zwei Kirchen und ein Heiliger(?) später, fehlt nun nur noch eins um das Bild von China perfekt zu machen. Die Gründungsstätte der KPCh, der kommunistischen Partei China. Wie mir mein Reiseführer zu flüstert, wurde hier am 23.07.1921 die KPCh gegründet. Was wohl aber nicht ganz richtig ist. Angeblich gab es die Partei bereits seit 1920, aber da damals Mao noch kein Mitglied war, wird dieses Jahr geflissentlich ignoriert. Auch wurde an diesem Punkt in Shanghai gar nicht der Gründungsbeschluss zustande, da die Versammlung von der Polizei gestürmt wurde und die Mitglieder nur knapp entkamen. Aber die Partei will was die Partei will. Und wenn sie sagen am 23.7.1921 wurde hier die Partei gegründet, dann wurde sie das. PUNKT.
Da ich der Partei aber nicht umbedingt auch noch Geld zustecken möchte, habe ich mir den Entritt erspart und habe mir dieses Gebäude lieber nur von außen angesehen.



Vier Pilgerstätten, vier mal kein Eintritt. Und als wäre dies alles noch nicht genug, hatte es inzwischen zu regnen begonnen und die Taxis weigerten sich mich mit zu nehmen...
Entweder es war die falsche Richtung oder es war ihnen nicht weit weg genug oder sie waren eh gerade besetzt... Bis ich so schlussendlich zu Fuß Zuhause war, war ich von Kopf bis Fuß nass...
Zum Glück war es noch vor Mitternacht, so das es noch heißes Wasser zum duschen gab.
Jetzt sitze ich mit einigen anderen Ausländern zusammen in dem Café in meinem Hostel und sippe an meiner heißen Schokolade während wie über Gott und die Welt reden.
Morgen muss ich schon wieder um 7 aufstehen um rechtzeitig am Flughafen zu sein...
Peking! Mein letzter Stop vor Japan!

Mittwoch, 25. März 2015

SH Tag 1: Pudong hasst mich

Irgendwie begann alles bereits vor einigen Tagen, als ich auf dem Weg von Osaka nach Hongkong nicht wie geplant am Hongqiao Flughafen in Shanghai (SHA) umstieg sondern in Pudong. Und prompt hatte mein Flug Verspätung...
Das Selbe wiederholte sich dann gestern, als ich eigentlich über den SHA nach Shanghai fliegen sollte, mein Flug dann allerdings doch nach Pudong flog... und Karma... der Flug hatte mal wieder Verspätung. Dann verlor ich zwischenzeitlich auf dem Flughafengelände auch noch meinen Pass und meine Nerven und bis ich schlussendlich im Fllieger saß, war ich einfach nur noch kaputt.
In Shanghai selbst lief der erste Abend eigentlich ganz ok. Ich bin mit der Metro in die Innenstadt gefahren und von dort aus habe ich mir das Taxi zur Herberge einfach mal gegönnt (2€). Ich hatte wirklich wirklich wirklich keine Lust, schon wieder mit den Koffern in der Gegend rum zu irren.
Der Taxifahrer hatte allerdings keine Ahnung wo ich hin wollte und hat mit mir und 5 anderen Passanten erst mal 10min lang rum diskutiert wo das wohl sein könnte.
Ihr kennt das, wenn in Deutschland einige Menschen mit Ausländern immer lauter sprechen, wenn diese sie nicht verstehen? Mein Taxifahrer war genau so.
Um so mehr ich ihn verwirrt ansah, wenn er mir was auf chinesisch sagte, um so lauter wurde er. Irgendwann wollte ich nur noch zurück schreien: "Ich spreche kein Chinesisch, ICH BIN NICHT TAUB!".
Aber putzig war er trotzdem~
Den ersten Abend habe ich dann Standartmäßig damit verbracht die nähere Umgebung zu erkunden und mir an irgendeinem Straßenstand was zu Essen zu kaufen.


Der heutige Tag begann eigentlich auch ganz gut. Ich bin irgendwann aufgewacht, habe meine Reiseführer konsultiert und mich dann für eine Route für den Tag entschieden.

Als erstes ging es zum Bund, dem vorzeige Hafen der europäischen Besatzungsmächte in Shanghai.
Der Bund ist ein komischer Ort. Einfach weil so viele verschiedene Kulturen und Epochen auf einem Punkt versammelt sind.
Wenn man mit der Fährstation im Rücken steht und nach links sieht, sieht man die alte Häuserfront der Europäer, die so auch in jeder anderen Großstadt Zuhause vorkommen könnten. Mich persönlich hat es sehr an Budapest erinnert. Es gibt sogar einen Glockenturm, den Big Ching, der an den Big Ben in London erinnern soll.


Sieht man nun gerade aus, sieht man am Ende der Prommenade das rießige eckige weiße Mao-Denkmal, das groß (und hässlich) dort am Ufer steht.


Und wiederum weiter nach rechts, weg von Mao und den Europäern, sieht man über dem Fluss hinweg, die Skyline von Pudong.


Um meinen Reiseführer zu zitieren:
"Die Skyline von Pudong ist das Symbol für das neue China. Der Stil: Retrofuturismus. Sie sieht aus, wie wir uns die Zukunft vorgestellt haben, als wir noch an sie glaubten."
Retrofuturismus, mein neues Lieblingswort. :D

Nach dem Bund ging es die Nanjing Road hinunter eine große touristische Shoppingstraße mit vielen Lichtern und Geschäften die wir auch alle von Zuhause kennen. H&M, Uniqlo und ganz vielen anderen Mist. Aber immer mal wieder gibt es ein paar Seitenstraßen, die sehr interessant aussehen und in denen fast ausschließlich Chinesen verschwinden.
Ratet wo ich mein Mittagessen gefunden habe ;)


Es ist natürlich nicht alles schlecht auf der Nanjing Road. Es gab zum Beispiel auch einen M&M World-Shop und ausländische Marken wie Sephora, die ich so nicht in Berlin finden kann.


Und es gibt kleine mini Busse, die die Straße für 5 Yuan (80cent) pro Strecke rauf und runter fahren.


Pünktlich nach Sonnenuntergang war ich dann wieder zurück am Bund um mir die Nächtliche Skyline an zu sehen. Wirklich wirklich wirklich sehenswert!


Und dann kam das was ich warscheinnlich besser hätte bleiben lassen sollen. Ich bin mit der Fähre rüber nach Pudong gefahren...
Die Aussicht von diesen rießigen Gebäuden soll angeblich unglaublich sein und die meisten haben Observationdesks oder was noch viel besser und lustigerweise billiger ist: Bars.
Für den selben Preis den man als Eintritt für einige der Aussichtsplatformen zahlt, kann man in anderen Bars, die genau so hoch sind gemütlich zwei Cocktails trinken.
Versteht mich nicht falsch, der Plan ging auf. Die Bar war toll, die Aussicht fantastisch und der Drink war ebenfalls wirklich wirklich gut.


Das einzige was die Aktion so deprimierend gemacht hat, war die Tatsache, dass ich, während ich gemütlich meinen Cocktail trank, festgestellt habe, dass mein Handy weg ist.
Nachdem ich ausgetrunken hatte, hab ich mich also gleich auf den Weg gemacht und bin meine gesammte Laufstrecke auf Pudong noch einmal rückwärts gelaufen, in der Hoffung es liegt irgendwo im Gebüsch. Wie ihr eventuell meiner aktuellen Laune entnehmt, nein... lag es nicht. Das ganze hin und her irren und Menschen fragen, hat mich allerdings so viel Zeit gekostet, dass zu dem Zeitpunkt als ich mich endlich wieder auf den Weg auf die andere Seite machen wollte, ich feststellen durfte, dass die Metro in Shanghai um 23Uhr aufhört zu fahren.
Also Bus. Aber welchen? Und wo wohne ich überhaupt? Die Adresse ist in meinem Handy...
ich wusste noch das ich in der Nähe des People's Square wohne, einem sehr großen Platz und eine Haltestelle von DREI U-Bahn Linien. Keiner jedoch der FÜNF Busfahrer die ich gefragt hatte, wussten wo das ist... Bzw. kannten den englischen Namen...
Also Taxi. Und wieder das gleiche Spiel. Die ersten zwei, haben einfach rundheraus nein gesagt, der dritte hat sich zumindest meine Karte angesehen und dann entschieden, dass er mich mit nimmt.
Im Taxi hatte ich Glück im Unglück. Der Taxifahrer fuhr auf dem Weg zum People's Square fast direkt an meinem Hostel vorbei und dank meinem umher gelaufe am Abend zuvor, habe ich die Nachbarschaft wiedererkannt. YAY!
Er war ein bisschen verwirrt, warum ich auf einmal so plötzlich raus wollte, aber hey! Damit kann ich leben.
Und nun sitze ich Aufenthaltsraum meines Hostels und habe gerade meinen Eltern eine Mail geschrieben um sie davon in Kenntnis zu setzen, dass sie mich nur noch über E-Mails erreichen können, denn irgendwie funktionieren sämtliche Proxyprogramme die ich mir für den Laptop besorgt hatte, in diesem Land nicht...
Morgen darf ich dann mit der Polizei telefonieren, in der Hoffnung, dass es doch irgendwie irgendwo noch auftaucht, aber große Hoffnungen habe ich nicht wirklich...
Die nette Frau vom Hostel hat auch nur mitleidig mit dem Kopf geschüttelt...